Nur ein Dreh…

Noch einmal Hagneck.582be90eb833ec2

Was siehst du, liebe Leserin, lieber Leser? Vernünftig, wie du bist, natütlich nur ein paar Rohre mit Reglern dran. Der Kindskopf, der hier schreibt, sieht aber ein Dutzend Möglichkeiten irgendwo daran herumzudrehen und irgend einen Blödsinn heraufzubeschwören…..
Aber natürlich hat auch bei ihm die Vernunft gesiegt und er hat die Finger davon gelassen.

Kraftwerk

Letzten Samstag war ich auf einer Besichtigung im neuen Flusskraftwerk Hagneck.7d668502896d563Es ist seit einem Jahr in Betrieb und ersetzt das alte Kraftwerk (hinten im Bild). Das Wasser der Aare wird hier 18 Meter hoch gestaut und läuft neu durch zwei waagerecht eingebaute Turbinen. Diese, resp. ihre Umhüllung, konnten wir auch ansehen.c2dddc6b961628b

In den blauen Rohren vestecken sie sich. Die gelben Hebel steuern die Klappen, mit denen der Durchfluss geregelt und auch ganz abgestellt werden kann. Ob die Anzahl Wasserflaschen wirklich anschaulicher ist, oder ob 27 Millionen Kubikmeter nicht auch beeindruckend genug wären, sei dahingestellt.
Der verwendete Beton der ganzen Anlage ist gelb-beige gefärbt und hat so die Farbe des Jurakalks, der auch die unterhalb aufgeschichteten Inseln bildet. Wenn Pionierpflanzen diese Inseln besiedelt haben, soll sich dort ein Vogelparadies bilden, hofft man. Auch der Schiffshafen unterhalb des alten Kraftwerkes wurde aufgeschüttet. Ganz verlanden soll er aber nicht, weshalb man noch eine alte Turbine, quasi im Mueseumsmodus, laufen lässt, so dass auch dort weiter Wasser fliesst.
Noch ein Vergleich zum Nachdenken: Hagneck produziert zehn Mal soviel Strom, wie eine Solaranlage bei besten Bedingungen, wie sie auf dem Wankdorfstadion ist, aber zehn Mal weniger, als ein AKW.

Beil und Sichel

Dieses Wochenende sind etablierte Parteien und Einzelmasken in Biel zur Wahl angetreten. Stadtpräsident bleibt Erich Fehr von der SP. Sein Vater Herrmann wurde damals am Tag meiner Maturfeier gewählt – es gibt also so etwas wie eine Stadtpräsidenten-Dynastie.
Beim betrachten der Wahlplakate, fiel mir eines auf:1250f4d1ce52fe7

In der Mitte des Bildes scheinbar ein Bieler Wappen, aber nur mir einem Beil. An Stelle des anderen Beils der Schriftzug der Partei in Form einer Sichel. Beil und Sichel ? Nein, Hammer und Sichel, kennen wir doch. Es handelt sich tatsächlich um das Plakat der PdA, der Partei der Arbeit – der Kommunisten also. Ich bin erstaunt, dass sie es wagen, diese Symbolik – von der Sowjetunion genügend desavouiert, zu verwenden.
Abgeschreckt hat es die zugeneigten Wähler nicht, sie haben imerhin einen Sitz gemacht.

Länggasse

Während in Bern die Länggasse ein Quartier ist und dessen Hauptstrasse Länggassstrasse heisst, ist die Thuner Länggasse tatsächlich eine Strasse. Die Strasse nämlich, die vom Stadtzentrum bis fast zum Fussballstadion und dem Panorama-Center führt. In letzterem ist mein Fitnessclub und dorthin bin ich heute vom Bahnhof aus marschiert.20160923_115650

Ich bin schon x Mal daran vorbeigefahren – jetzt konnte ich sie mal in Ruhe anschauen und fotografieren: die Länggasspost. Ob der Heimatschutz einst protestiert hat, dieses himmelblaue Klötzchen hinzustellen? Wobei, die umliegenden Wohnblocks und Gewerbegebäude drängen den Eindruck eines schützenswerten Orstbild nicht auf, aber man weiss ja nie.

Die Präsidentin

Da hat man wieder mal zuviel Zeit und schnüffelt in der Comic-Abteilung herum. Davon hatte ich kürzlich gelesen – das musste ich haben.
e9a54080277da2fWas wäre, wenn Marine Le Pen nächstes Jahr zur Präsidentin Frankreichs gewählt würde? Diese Frage will diese „Graphic Novel“ beantworten. Es ist quasi die Antwort auf Michel Houellebecqs „Unterwerfung“. Einigen sich dort die Konservative und Sozialisten auf einen muslimischen Kandidaten, um Le Pen zu verhindern, bleiben sie hier zerstritten und Le Pen gewinnt.
Die Autoren haben sich das Programm des Front National vorgenommen und beschreiben, was in Frankreich passieren könnte, wenn Marine Le Pen dieses Programm so schnell wie möglich realisieren würde.
Neben allen realen Politikern und Journallisten, gibt es in der Geschichte noch eine fiktive, zweite Hauptperson: die alte Widerstandskämpferin Antoinette. Sie lebt mit ihren Enkeln und einer afrikanischen Studentin zusammen. An ihnen werden die Auswirkungen des Machtwechsels gezeigt: Fremdenfeindlichkeit, Inflation, Überwachungsstaat. Letzterer übrigens nicht etwa vom FN, sondern vom jetzigen Präsidenten Hollande eingerichtet.
Distopien, also negative Utopien, sind gruselig und faszinierend zugleich. So faszinierend, dass man sich beim Gedanken ertappt, dies tatsächlich erleben zu wollen. Paradisische Zustände hingegen wären viel zu langweilig.

Park und Bähnli

In unserem Dorf hat es recht viele Parkplätze, so dass ich eigentlich nie ein Problem habe, einen zu finden. Aber heute war Viehmarkt. Da war der Parkplatz nicht nur voller Autos, sondern auch voller Viehanhänger. Also fuhr ich nach Spiez ins Parkhaus, um den Zug nach Bern zu nehmen. Als ich beim Zurückkommen wieder in Spiez ausstieg, ging ich noch etwas auf der Bahnhofterrasse Luft schnappen und schaute dem Spiezerbähnli nach. Es ist auch heute bei etwas trüberem Wetter unterwegs und kutschiert Touristen herum. eea320febd47a49

 

Eine lange Geschichte

Es ist schwere Kost. Nicht nur wegen der 760 Seiten, sondern auch inhaltlich. Der Roman erzählt die Geschichte einer jüdiscsns9wkweaeiwzwchen Familie in der Schweiz über fünf Generationen von 1871 bis 1945.
Ein Paar in Endingen AG mit einer Tochter und einer Pflegetochter. Die beiden heiraten, ziehen nach Baden resp. Zürich, werden Eltern und Grosseltern. Der Letzte in der Reihe, der Urgrossenkel wird Zionist und wandert nach dem Krieg nach Israel aus. Niemand in der Geschichte heisst Melnitz. Er ist ein Geist, der die Juden immer wieder an die Vergangenheit, an die immer wiederkehrenden Judenprogrome erinnert.
Die Figuren sind fiktiv, nicht aber die Orte und die Geschichte darum herum. So muss man als Leser wohl zur Kenntnis nehmen, dass der Antisemitismus in der Schweiz, zwar gezügelt, aber nicht weniger schlimm war, als andeswo. Wäre die Schweiz im zweiten Weltkrieg besetzt worden, wären die Juden hier genauso verfolgt worden, wie in Deutschland. Etwas, das man hierzulande wohl noch viel weniger gerne hört, als, dass es nicht unsere Armee war, die uns vor der Besetzung bewahrt habt, sondern, dass wir einfach Glück hatten.