Pararassismus

Beim Rassismus denkt man in erster Linie an Diskriminierung wegen Hautfarbe oder Nationalität. Diskriminierung im Sinne von Benachteiligung, Ablehnung oder gar Hass. Interessanterweise gibt es neben diesem „bösen“ Rassismus auch einen „guten“ Rassismus. Dieser zeigt sich gerade in diesen Tagen der Fussballweltmeisterschaft.
Da ist der Spieler Xherdan Shaqiri. Er ist als kleines Kind vor ca. zwanzig Jahren in die Schweiz gekommen und (vermutlich über seine Eltern) eingebürgert. Er ist also Schweizer, denn sonst könnte er ja gar nicht in der Nationalmannschaft spielen. Nun wird aber in den Medien und auch in meiner Twitter-Timeline bis zum Gehtnichtmehr betont, dass Shaqiri und einige andere Nationalspieler Migrationshintergrund haben. Gerne wird im gleichen Zug auch die Masseneinwanderungsinitiative genannt. Im Prinzip ist das nichts anderes als eine Diskriminierung von Shaqiri, indem man ihn von den „normalen“ Schweizern unterscheidet.
Ich behaupte frech: Mit dieser positiven Diskriminierung wollen die Schreiber und Schreiberinnen vor allem sich selbst in ein positives Licht stellen und betonen, dass sie keine Rassisten sind. Dummerweise fahren sie dabei lediglich auf dem Nebengeleise zum Rassismus – eines gutmeinenden Rassismus, den ich Pararassismus nenne.
Ich möchte das noch mit einem anderen Fall illustrieren, nämlich mit dem deutschen Schauspieler Marius Jung. Er hat eine satirische Autobiographie über seine Erfahrungen als schwarzer Deutscher geschrieben: „Singen können sie alle – Handbuch für Negerfreunde“. Auf dem Titel das Bild eines nackten, schwarzen Bodybuilders mit Jungs Kopf. Dieses Buch hat ihm prompt einen Rassismus-Schmäh-Preis eingebracht. Dies und etliche Erfahrungen, die er in seinem Buch beschreibt, deuten darauf hin, dass Jung wohl mehr guten als bösen Rassismus erlebt hat. So bekommt er keine Rolle als Bösewicht in einem Film, weil der Regisseur Angst vor einer Rassismus-Anklage hat.
Pararassismus, der den anderen zum vorneherein zum guten und schutzbedürftigen erklärt, ist zwar für seine Opfer nicht so gefährlich, wie der normale (böse) Rassismus, aber auch er basiert auf Vorurteilen und nimmt den Menschen und seine Qualitäten nicht wahr.

DSC00092_2Anmerkung: In Texten, die ich gefunden habe, werden Begriffe als „pararassistisch“ bezeichnet, welche vom Wortlaut her nicht rassistisch sind, aber so interpretiert werden können. Dies würde bedeuten, dass jemand seinen Rassismus versteckt. Mit geht es hingegen um Äusserungen, die ohne böse Absicht auf Rassismus hinauslaufen.

Ein Interview mit Marius Jung in der Süddeutschen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s