Selbst ist die Gefälligkeit

Kürzlich habe ich mich über einen Spruch auf Twitter genervt. Er ging ungefähr so: „Wir bezahlen den Menschen, die zu unserem Geld schauen mehr, als denen, die zu Menschen schauen“.
Verdient tatsächlich jeder Bankangestellte mehr, als ein Arzt oder eine Lehrerin? Aber nein, man musste den Spruch natürlich „richtig“, also clichiert, verstehen: Börsenspekulanten verdienen mehr als Pflegepersonal.
Man muss den Spruch sogar clichiert verstehen, denn es gibt noch viele andere, sehr angesehene Berufe, in denen man mehr verdient, als in der Pflege. Es braucht nicht viel, um einverstanden zu sein und dem Autor die Einsicht in gesellschaftliche Missstände zu bescheinigen. Und genau darum nenne ich solche Tweets Gefälligkeits-, ja sogar Selbstgefälligkeitstweets. Es ist gesagt, resp. geschrieben und Autor und Leser können sich mit erleichtertem Gewissen zurücklehnen und müssen nicht handeln.
„An den Taten sollt ihr sie erkennen, nicht an den Tweets“ werde ich gleich auf Twitter schreiben. Das im Bewusstsein, dass meine Taten auch an einem kleinen Ort sind. Darum halte ich mich Ratschlägen, erst recht mit Anklagen, sehr zurück.

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