Der Preis der Tugend

Angenommen ich hätte eine zweiwöchige Diät hinter mir – da hätte doch jeder Verständnis, wenn ich sagte: Jetzt gönne ich mir eine Belohnung:Und wenn ich einer wäre, der super ökologisch lebt: nur Bio-Gemüse, nur öV und Raumtemperatur 16 Grad. Da hätte doch auch jeder Verständnis, wenn ich mir dann ein Extra gönne, z.B. eine Woche Kalifornien.
Das ist aber nicht so sicher. Während ich mir mit der Torte einfach zwei Diättage zunichte mache und so nur mir selbst schade, würde ich mit einer Flugreise genau das machen, was ich im Namen des Umweltschutzes anderen verbieten oder zumindest erschweren will. Auch, dass das Flugzeug sowieso fliegt, taugt nicht unbedingt als Argument. Mit jedem Flug, den ich buche, erhalte ich die Nachfrage. Flüge ohne Nachfrage, werden nicht mehr angeboten. Einige Grüne in Deutschland sind gerade in eine Diskussion zu diesem Thema geraten.
Hier in der NZZ wird dieses Verhalten mit dem „Rebound-Effekt“ verglichen. Im ökonomischen Sinn ist der Rebound-Effekt, wenn zum Erreichen eines Zieles Massnahmen ergriffen werden, die den Nutzen der Aktion wieder zunichte machen. Man denke an das berühmte „Sparen, koste es, was es wolle“.
Im moralischen Sinne bedeutet es, dass man sich für seine Tugend mit einer Sünde belohnt. Einer, die man den anderen, weniger tugendhaften, verbietet.
Gerade im Bemühen um eine umweltfreundliche Lebensweise geraten wir, vom häuslichen Leben bis zur Weltpolitik, immer wieder in Widersprüche. Dazu auf Spektrum eine Betrachtung von Vince Ebert.

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